KI-Sichtbarkeit

Warum ChatGPT dein Geschäft kennt und trotzdem die Konkurrenz empfiehlt

KI-Sichtbarkeit11. September 2026·8 Min Lesezeit
Ein Mann schaut durch ein Fernrohr: Sichtbarkeit in der KI-Suche

Du hast es vermutlich schon getestet und ChatGPT nach deinem eigenen Namen gefragt. Die Antwort kam prompt: Adresse, Leistungen, vielleicht sogar die Öffnungszeiten. Das hat sich gut angefühlt. Der Haken daran ist, dass dieser Test genau die eine Frage misst, die dir nie einen neuen Kunden bringt.

Wir haben in den letzten Monaten die Forschung zu diesem Thema durchgearbeitet, weil uns unsere Kundinnen immer häufiger dieselbe Frage gestellt haben. Sie lautet sinngemäß: «Muss ich jetzt auch noch etwas für ChatGPT tun?»

Die Antwort ist ja. Aber sie ist eine andere, als der Markt sie gerade verkauft.

1. Der Selbsttest, der dich in Sicherheit wiegt

Es gibt zwei Fragen, die ein Mensch einer KI über dich stellen kann, und sie haben fast nichts miteinander zu tun.

Die erste lautet «Was weißt du über die Praxis Müller in Winterthur?». Bei dieser Frage bist du selbst der Suchbegriff. Deine Webseite rankt für deinen eigenen Namen, dein Eintrag ebenso, und die KI muss nur nacherzählen, was sie findet. Das gelingt fast immer.

Die zweite lautet «Welche Osteopathin in Winterthur empfiehlst du mir?». Bei dieser Frage kommst du im Wortlaut überhaupt nicht vor. Damit du in der Antwort auftauchst, muss die KI von sich aus auf dich kommen.

Eine Untersuchung an 112 jungen Firmen hat beides gegeneinander gemessen: Beim Namen genannt, erkannte ChatGPT sie in 99,4 % der Fälle. Offen nach einer Empfehlung gefragt, brachte dasselbe System dieselben Anbieter nur in 3,32 % der Antworten von selbst ins Spiel.

Diese Untersuchung ist eine Abschlussarbeit und für sich allein noch kein Beweis. Das Muster bestätigt sich aber mit sehr großen Zahlen: Eine Auswertung über 350’000 Standorte fand, dass ChatGPT bei lokalen Anfragen nur 1,2 % der Betriebe empfiehlt, Perplexity 7,4 % und Gemini 11 %. Dieselben Betriebe erscheinen zu 35,9 % in der Kartenbox von Google.

Die Maschine weiß, dass es dich gibt. Sie empfiehlt dich trotzdem nicht, wenn jemand fragt, wer in deiner Stadt gut ist.

Erkannt zu werden ist Technik. Empfohlen zu werden ist Handwerk. Und wer deinen Namen bereits kennt, hätte auch das Telefonbuch aufgeschlagen.

2. Eine KI-Antwort hat wenige Plätze, keine zehn

Stell dir eine Frau vor, die an einem Dienstagabend auf dem Sofa sitzt. Der Rücken macht seit drei Wochen Ärger. Sie nimmt das Handy und tippt einen ganzen Satz: «Wer kann mir in Winterthur bei Rückenschmerzen helfen?»

Sie bekommt keine Trefferliste, sondern vier Namen und zu jedem einen kurzen Absatz. Am nächsten Morgen ruft sie bei der ersten an.

Diese Frau hat deine Webseite nie gesehen. Sie hat auch die Suchergebnisse nie gesehen, in denen du vielleicht auf Position vier standest. Es gab keine zweite Seite, durch die sie hätte blättern können.

Eine klassische Trefferliste hatte 10 Einträge und darunter 9 weitere Seiten. Wer auf Platz 8 stand, wurde selten angeklickt, aber er war vorhanden. Eine KI-Antwort auf eine lokale Frage nennt 3 bis 6 Anbieter, im deutschen Durchschnitt 5,2. Der siebte steht nicht weiter unten, er steht nirgends.

Wie verbreitet diese Art zu suchen schon ist, lässt sich für die Schweiz beziffern: 76,1 % der Bevölkerung nutzen KI-Chatbots, 41,6 % davon für die Informationssuche anstelle von Google oder Bing. Bei der Suche nach kleinen und mittleren Unternehmen starten 13 % in einem KI-Werkzeug, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 21 %.

3. Der Irrtum, dem fast alle Ratgeber aufsitzen

Wenn du in den letzten Monaten etwas über KI-Sichtbarkeit gelesen hast, stand darin vermutlich, ChatGPT beziehe seine Daten über Bing. Deshalb, so die Folgerung, sei ein Eintrag bei Bing Places der Schlüssel.

Das war bis 2025 richtig. Es ist es nicht mehr.

ChatGPT hat 2026 einen eigenen Index aufgebaut und kauft daneben Google-Ergebnisse zu. Bing ist nur noch ein Nebenkanal. Und lokale Antworten kommen gar nicht aus der Websuche: Sie stammen aus den Datenströmen von Yelp, TripAdvisor und Google Maps, wobei ChatGPT die Felder deines Google-Unternehmensprofils ausliest und auf Google Maps verlinkt. Eine Auswertung von 1’732 lokalen Quellenangaben fand google.com 130-mal zitiert, die nächstfolgende Adresse zweimal. Bing Places war in keinem einzigen Fall die Datenquelle.

Der Schlüssel zu lokalen KI-Antworten heißt heute Google-Unternehmensprofil, und zwar bei Google und bei ChatGPT gleichzeitig.

Das gilt sinngemäß für die anderen Systeme: Gemini und Googles KI-Modus lesen den Google-Index und sind direkt an Google Maps angebunden. Perplexity betreibt einen eigenen Index und setzt lokale Empfehlungen aus Bewertungsplattformen und Portalen zusammen. Claude sucht über Brave Search, eine eigenständige Suchmaschine. Bing speist weiterhin Copilot und DuckDuckGo, und dort lohnt sich ein Eintrag nach wie vor.

4. Warum dir trotzdem niemand einen Platz versprechen kann

Seit einigen Monaten bekommen unsere Kundinnen Angebote, die «Platz 1 in ChatGPT» versprechen. Wir haben diese Versprechen gegen die Datenlage geprüft, und sie halten nicht. Drei Gründe genügen.

  1. Dieselbe Frage erzeugt verschiedene Antworten. Auch bei vollständig heruntergedrehter Zufallseinstellung änderten sich 9 bis 27 % der Entscheidungen innerhalb von fünf Minuten. Über 45 Tage überschnitten sich die zitierten Quellen bei identischer Frage nur zu 34 bis 42 %. Und stellt man dieselbe Frage hundertmal, kommt in weniger als 1 % der Fälle dieselbe Liste von Anbietern heraus.

  2. Es gibt nicht die eine KI-Suche. ChatGPT sucht in seinem eigenen Index, Claude über Brave, Gemini in Google. Die Überschneidung der Quellen zwischen organischem Google, den Google-KI-Antworten und Gemini liegt zwischen 11 und 18 %. Platz 1 – in welchem der fünf Systeme?

  3. Der Platz ist umkämpft und die Summe ist fix. Fünf Nennungen, hundert Prozent Sichtbarkeitsanteil. Was einer gewinnt, verliert ein anderer. Ein garantierter Platz wäre ein Versprechen über das Verhalten deiner Wettbewerber.

Sobald dir jemand eine Platzierung in einer KI-Antwort verspricht, weißt du eines von zwei Dingen über ihn. Entweder hat er die Datenlage nicht gelesen, oder er rechnet damit, dass du sie nicht liest.

5. Warum die Werkzeuge per Knopfdruck das falsche Stockwerk putzen

Es gibt inzwischen eine ganze Klasse von Anbietern, die eine automatische Optimierung für KI-Suchen per Knopfdruck verkaufen. Der Preis liegt oft unter 200 Franken, und das Ergebnis ist ein Bericht mit vielen roten und grünen Punkten. Drei Dinge daran halten der Prüfung nicht stand.

  1. Erstens spielen viele dieser Werkzeuge ihre Änderungen erst im Browser ein, also per JavaScript. Die Crawler der KI-Anbieter führen JavaScript überwiegend nicht aus. Optimiert wird dann eine Fassade, die die Zielsysteme nie zu Gesicht bekommen. Erschwerend kommt hinzu, dass ChatGPT strukturierte Daten aus dem Dokument entfernt, bevor es liest, und die Meta-Beschreibung ohnehin ignoriert.

  2. Zweitens messen sie mit einem einzigen Durchlauf. Nachgemessen wurde das: Ein einzelner Durchlauf erfasst nur 62 bis 77 % der Anbieter, die fünf Durchläufe zutage fördern. Deshalb kann ein und dieselbe Webseite an zwei Tagen zwei völlig verschiedene Noten bekommen.

  3. Drittens fassen sie die Stufen gar nicht an, die für dich zählen. Weder dein Google-Unternehmensprofil noch deine Bewertungslage, weder die Übereinstimmung deiner Angaben über alle Plattformen hinweg noch deine Verzeichniseinträge lassen sich per Programm auf deiner Webseite erledigen. Genau dort liegt für einen lokalen Anbieter der größte Teil der Wirkung.

Und dann gibt es noch den unangenehmsten Befund der neueren Forschung. In einer Testumgebung mit 171’003 Dokumenten wurde die vollständige Kette nachgebaut, also Suche, Vorauswahl und Antwort. Reine Optimierung des Fließtexts auf Zitierbarkeit verringerte dort die Präsenz in den vorderen Rängen um 9 bis 16 %. Ein Text kann nach der Bearbeitung zitierfähiger aussehen und zugleich schlechter gefunden werden.

6. Die drei Bedingungen einer Empfehlung

Wenn niemand eine Platzierung versprechen kann, was lässt sich dann beeinflussen? Damit eine KI dich von sich aus nennt, müssen drei Dinge zusammenkommen.

  1. Erstens musst du in den Kandidatenpool kommen. So heißt die Handvoll Quellen, die eine KI zusammensucht, bevor sie antwortet. Der Weg dorthin hängt vom System ab, bei ChatGPT führt er über dein Google-Unternehmensprofil und über Bewertungsplattformen. Eine Auswertung von 75’000 Marken fand, dass Erwähnungen im Netz deutlich stärker mit KI-Sichtbarkeit zusammenhängen als Verlinkungen. Die Einheit, an der du arbeitest, ist damit nicht nur deine Webseite, sondern das Netz von Quellen, die über dich sprechen.

  2. Zweitens muss die KI ihre Auswahl begründen können. Eine Empfehlung ist ein Urteil, und Urteile brauchen Material. Seit August 2026 ist das erstmals sauber gemessen: In einem Versuch mit 40’068 Antworten zur Arztwahl erhöhte eine Bewertung von 4,7 statt 3,9 Sternen die Wahrscheinlichkeit, gewählt zu werden, um 31,4 Prozentpunkte.

  3. Drittens musst du beschreibbar sein. Eine KI empfiehlt nur, worüber sie einen gehaltvollen Satz sagen kann. «Praxis für Osteopathie» ist kein solcher Satz. «Spezialisiert auf Säuglinge und Schwangere, seit 15 Jahren in Winterthur, Erstgespräch kostenlos» ist einer.

Damit sind wir bei einem Thema, das dir aus unseren anderen Beiträgen bekannt vorkommen dürfte. Das ist keine Technik, das ist Positionierung. Wer für Menschen unscharf positioniert ist, ist es für Maschinen erst recht.

Man optimiert nicht die Antwort der KI. Man optimiert die Beweislage, aus der sie ihre Antwort baut.

Was du diese Woche tun kannst

Drei Dinge, die dich nichts kosten außer Zeit.

  • Bring dein Google-Unternehmensprofil auf Vollständigkeit. Fülle jedes Feld aus: Kategorien, Leistungen, Öffnungszeiten, Fotos, Buchungslink und eine Beschreibung in genau den Worten, mit denen deine Kunden fragen. Antworte auf jede Bewertung. Die meisten Profile sind zur Hälfte leer, und genau darin liegt dein Vorsprung.

  • Lege ein Stammblatt an und gleiche alles daran an. Schreibe Name, Adresse, Telefonnummer, Leistungen, Qualifikationen und Gründungsjahr in einer verbindlichen Fassung auf, und gleiche danach deine Webseite, Google, Bing, die Verzeichnisse und deine Verbandseinträge daran an. Der Grund: ChatGPT und Perplexity geben Unternehmensdaten nur zu 68 % korrekt wieder.

  • Prüfe den Anfang deiner wichtigsten Seite. ChatGPTs Index kennt von deiner Seite nur den Titel und rund 200 Zeichen ab Textbeginn, und in 93 % der schnellen Antworten wird deine Seite nie geöffnet. Sorge dafür, dass Überschrift und erster Absatz sagen, wer du bist, wo du bist, was du tust und für wen.

Wenn du die ganze Liste willst

Wir haben die vollständige Fassung aufgeschrieben. 31 Seiten, ein Wörterbuch für alle Fachbegriffe, eine Übersicht, welche KI ihre Daten woher bezieht, die vollständige Aufgabenliste in vier Stufen, die sieben Belege gegen jedes Platzierungsversprechen und fünf Fragen, an denen du jeden Anbieter prüfen kannst, uns eingeschlossen.

Kostenloses E-Book

Wer empfohlen wird

Du bekommst das E-Book kostenlos. Nach deiner Bestätigung kannst du es sofort herunterladen.

Und wenn du willst, dass jemand mit dir zusammen auf deinen Auftritt schaut, dann buche deine Frequenz-Probe. Wir sehen uns deine Seite vorher an und kommen mit deinen drei größten Hebeln ins Gespräch. Du behältst sie, egal ob du sie dann mit uns umsetzt oder nicht.

Häufige Fragen

Warum empfiehlt ChatGPT mein Geschäft nicht, obwohl es mich kennt?

Weil das zwei verschiedene Vorgänge sind. Nach deinem Namen gefragt, muss die KI nur nacherzählen, was sie über dich findet. Bei einer offenen Empfehlungsfrage muss sie von sich aus auf dich kommen, und dafür braucht sie dich im Kandidatenpool, sie braucht überprüfbare Belege, und sie braucht einen gehaltvollen Satz, den sie über dich sagen kann.

Stimmt es, dass ChatGPT über Bing läuft?

Bis 2025 stimmte es. Seit 2026 betreibt ChatGPT einen eigenen Index und kauft daneben Google-Ergebnisse zu. Lokale Antworten kommen aus Verzeichnis-Datenströmen und aus deinem Google-Unternehmensprofil. Ein Bing-Eintrag lohnt sich weiterhin, aber für Copilot und DuckDuckGo.

Kann mir jemand Platz 1 in ChatGPT garantieren?

Nein. Dieselbe Frage liefert am selben Tag verschiedene Antworten, die großen Systeme teilen ihre Quellen kaum, und eine KI-Antwort nennt bei lokalen Fragen nur 3 bis 6 Anbieter. Seriös versprechen lässt sich der nachvollziehbare Aufbau der Faktoren, die nachweislich zählen, eine wiederholte Messung und sichtbarer Fortschritt in einer Verteilung.

Was ist der günstigste erste Schritt?

Dein Google-Unternehmensprofil. Es kostet keinen Franken und ist heute die Stammquelle lokaler KI-Antworten, bei Google und bei ChatGPT gleichzeitig.

Wie messe ich, ob sich etwas bewegt?

Nicht mit einem Testlauf. Die Forschung zur Schwankung legt 7 bis 8 Wiederholungen je Frage und System nahe, verteilt über mehrere Tage, mit getrennter Auswertung je System und vollständiger Zählung aller Durchläufe, auch der leeren. Und die Fragen, mit denen gemessen wird, müssen über die Quartale dieselben bleiben, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.

Bist du bereit, deine Frequenz zu finden?

In 45 Minuten hören wir gemeinsam in deine Seite hinein — kostenlos.

Zeigt mir im Gespräch,
wo meine Seite Besucher verliert

Wir analysieren deine Webseite vorab und gehen sie in 45 Minuten mit dir durch. Die schriftliche Analyse bekommst du danach.